Die Drake-Passage auf dem Weg in die Antarktis

Die Drake-Passage auf dem Weg in die Antarktis

Wer auf einer Expeditionskreuzfahrt in die Antarktis reist, kommt an der Drake-Passage kaum vorbei. Seit Jahrhunderten gilt das Seegebiet zwischen Kap Hoorn und der Antarktischen Halbinsel als eines der rauesten der Welt. Mal zeigt sich der Südliche Ozean überraschend ruhig, mal prägen Wind und Wellen die Überfahrt.

An ihrer schmalsten Stelle ist die Drake-Passage rund 800 Kilometer breit. Moderne Expeditionsschiffe durchqueren sie heute in der Regel sicher, ihr Ruf aus der Zeit der Segelschifffahrt hat sich jedoch gehalten.

Wo die Drake-Passage liegt, wie sie entstand, wie rau die Überfahrt tatsächlich werden kann und was Reisende an Bord erwartet, erfahren Sie in diesem Beitrag.

Wo die Drake-Passage liegt und wie sie entstand

Zwischen Südamerika und der Antarktis verengt sich der Ozean zur Drake-Passage. Sie reicht von Kap Hoorn bis zu den Südlichen Shetlandinseln vor der Antarktischen Halbinsel. Hier treffen Südatlantik und Südpazifik aufeinander, zugleich markiert der 60. südliche Breitengrad den Beginn des Südlichen Ozeans.

Bis nach Livingston Island misst die Drake-Passage gut 800 Kilometer. Damit bildet sie den kürzesten Seeweg zwischen Südamerika und der Antarktis. Unter dem Kiel liegen dabei durchschnittlich etwa 3.400 Meter Wasser, an den tiefsten Stellen rund 4.800 Meter. Dass der Antarktische Zirkumpolarstrom die Passage nahezu ungehindert durchströmen kann, liegt auch an dieser Tiefe.

Entstanden ist die Drake-Passage, als sich Südamerika und die Antarktis durch die Bewegung der Erdplatten voneinander trennten. Wann sich der Meeresweg öffnete, ist bis heute umstritten, die Schätzungen reichen von 17 bis 49 Millionen Jahren. Seitdem kann der Antarktische Zirkumpolarstrom den Kontinent vollständig umrunden. Durch die Drake-Passage fließen pro Sekunde rund 130 Millionen Kubikmeter Wasser. Diese Strömung prägt das Klima der Antarktis ebenso wie die Bedingungen auf der Überfahrt.

Die Passage ist nach dem englischen Freibeuter Sir Francis Drake benannt. Nachdem er 1578 die Magellanstraße passiert hatte, trieben Stürme sein Schiff weit nach Süden. Vermutlich erreichte der spanische Seefahrer Francisco de Hoces dieses Seegebiet jedoch schon mehr als fünfzig Jahre früher. In spanischen Quellen heißt die Passage deshalb bis heute Mar de Hoces.

Wer heute mit einem Expeditionsschiff von Ushuaia zur Antarktischen Halbinsel reist, verlässt nach den ersten Stunden im geschützten Beagle-Kanal die Küste Südamerikas. Danach beginnt die offene Drake-Passage.

Wie rau ist die Überfahrt wirklich

Der Ruf der Drake-Passage stammt aus der Zeit der Segelschifffahrt. Heute verläuft längst nicht jede Überfahrt stürmisch, spiegelglatt ist die See allerdings auch nur selten. Erfahrene Expeditionsleiter schätzen, dass etwa jede zehnte Überfahrt ausgesprochen ruhig und ein bis zwei von zehn richtig stürmisch sind. Die meisten liegen dazwischen, mit Wellenhöhen von durchschnittlich vier bis fünf Metern. Das ist deutlich spürbar, lässt sich auf einem modernen Expeditionsschiff aber gut bewältigen.

Dass die See hier so bewegt ist, hat mit der Lage der Passage zu tun. Rund um die Antarktis fehlt eine Landmasse, die Wind und Meeresströmungen abbremst. Südlich der Roaring Forties bauen die Winde der Furious Fifties und Screaming Sixties die Wellen über Tausende Kilometer nahezu ungehindert auf. Seeleute haben diese Westwindzonen nach ihren Breitengraden benannt.

Drake Lake, die ruhige Überfahrt

Zeigt sich der Südliche Ozean von seiner friedlichen Seite, sprechen Expeditionsteams vom Drake Lake. Die Wellen bleiben dann meist unter zweieinhalb Metern, und das Schiff zieht gleichmäßig durch die Passage. Die Ruhe lässt sich allerdings nicht planen. Sie hängt von einzelnen Sturmtiefs ab, einen verlässlich ruhigen Monat gibt es nicht. Moderne Wettervorhersagen helfen den Kapitänen, günstige Zeitfenster für die Überfahrt zu nutzen. Manchmal legt ein Schiff deshalb etwas später ab oder tritt die Rückfahrt früher an, um schlechtem Wetter auszuweichen.

Drake Shake, die stürmische Variante

Bei stürmischem Wetter zeigt die Drake-Passage ihre andere Seite. Dann sprechen Expeditionsteams vom Drake Shake. Wellen von fünf bis zehn Metern sind keine Seltenheit, in schweren Stürmen erreichen sie bis zu 15 Meter. Das Schiff rollt und stampft, viele Gäste ziehen sich dann in ihre Kabine zurück. Auf den Außendecks können einzelne Bereiche vorübergehend gesperrt werden. Das Expeditionsteam informiert regelmäßig per Durchsage über die Wetterlage und den weiteren Verlauf der Überfahrt.

Moderne Expeditionsschiffe sind auf die Bedingungen in der Drake-Passage ausgelegt. Stabilisatoren dämpfen das seitliche Rollen, erfahrene Kapitäne passen Kurs und Geschwindigkeit dem Wetter an. Gilt die Lage als zu riskant, wartet das Schiff im Hafen oder im Schutz der Küste ab. Wer zu Seekrankheit neigt, sollte trotzdem vorsorgen. Welche Maßnahmen helfen, erfahren Sie im Beitrag zur Seekrankheit auf Expeditionsreisen.

Die Drake-Passage mit dem Expeditionsschiff

Von Ushuaia bis zur Antarktischen Halbinsel dauert die Überfahrt durch die Drake-Passage in der Regel rund zwei Tage je Richtung. Abhängig von Wetter und Seegang kann sie auch etwas länger ausfallen. Auf einer Expeditionskreuzfahrt sind die Seetage weit mehr als nur der Weg zur Antarktis. Vorträge über die Tierwelt, Geschichte und Geologie der Antarktis bereiten ebenso auf die Expedition vor wie Pflichtbriefings für Anlandungen und Zodiacfahrten.

Auch die Ausrüstung wird vorbereitet. Jacken, Rucksäcke und Kamerataschen werden abgesaugt und gereinigt, damit keine Samen oder Krankheitserreger in die empfindlichen Ökosysteme der Antarktis gelangen.

Bei ruhiger See verbringen viele Gäste Stunden an Deck. Wanderalbatrosse und Sturmvögel begleiten das Schiff häufig über weite Strecken. Mit etwas Glück zeigen sich auch Wale, die in den nährstoffreichen Gewässern des Südlichen Ozeans nach Nahrung suchen. Wird die See rauer, verlagert sich das Bordleben in die Lounge und die Vortragsräume.

Je näher das Schiff der Antarktischen Halbinsel kommt, desto deutlicher verändert sich die Umgebung. Gegen Ende der Überfahrt tauchen die ersten Eisberge am Horizont auf, manchmal lassen sich im Wasser schon Pinguine entdecken. Jetzt zeigt sich, wozu die Eisklasse der meisten Expeditionsschiffe dient. Ihr verstärkter Rumpf erlaubt es, auch zwischen Treibeis sicher zu manövrieren.

Bei IKARUS TOURS reisen Sie auf kleinen Expeditionsschiffen ab Ushuaia durch die Drake-Passage in die Antarktis. Wer die Überfahrt umgehen möchte, fliegt von Punta Arenas auf die antarktische Halbinsel und geht dort an Bord. Mehr zu Routen und Schiffen finden Sie auf der Seite Antarktis Kreuzfahrt.

Geschichte und Schiffsunglücke

Lange bevor Expeditionsschiffe hier unterwegs waren, gehörte die Region um Kap Hoorn zu den verlustreichsten Seegebieten der Erde. Mehr als 800 Schiffe sollen dort gesunken sein, über 10.000 Seeleute kamen dabei ums Leben. Auf der Isla Hornos erinnert heute ein Denkmal in Form eines stilisierten Albatros an sie.

Wie schwierig eine Umrundung von Kap Hoorn damals war, zeigt die Reise der Bounty unter William Bligh. 1788 versuchte er einen ganzen Monat lang vergeblich, gegen die Westwinde nach Westen durchzukommen, und nahm schließlich den Umweg um Afrika.

Das bekannteste Unglück der Drake-Passage ist der Untergang der San Telmo. Das spanische Linienschiff war 1819 mit 644 Seeleuten und Soldaten auf dem Weg nach Peru, als es in einem Sturm Masten und Ruder verlor. Ein Begleitschiff versuchte noch, die San Telmo zu schleppen, musste sie aber aufgeben. Später fanden Robbenjäger Wrackteile an der Küste von Livingston Island. Heute steht dort ein Steinmal für die Besatzung, die vermutlich als erste Menschen in der Antarktis ums Leben kam.

Mit dem Ende der Segelschifffahrt wurden schwere Unglücke deutlich seltener. Motorschiffe sind nicht mehr auf günstige Winde angewiesen, und seit der Eröffnung des Panamakanals 1914 nutzt der Frachtverkehr die Route um Kap Hoorn nur noch selten. Heute durchqueren vor allem Expeditions- und Forschungsschiffe die Drake-Passage. Moderne Navigation und präzise Wettervorhersagen erleichtern die Reise, die Natur bestimmt die Bedingungen jedoch weiterhin.

Häufige Fragen zur Drake-Passage

Warum ist die Drake-Passage gefährlich?

Die Drake-Passage gilt als gefährlich, weil starke Westwinde rund um die Antarktis auf keine Landmasse treffen, die sie abbremst. Über Tausende Kilometer bauen sie hohe Wellen auf, verstärkt durch den Antarktischen Zirkumpolarstrom. Für Segelschiffe war das oft verhängnisvoll. Moderne Expeditionsschiffe durchqueren die Passage heute in der Regel sicher. Stabilisatoren, erfahrene Kapitäne und präzise Wettervorhersagen tragen dazu bei.

Wie hoch sind die Wellen in der Drake-Passage?

Im Mittel sind die Wellen in der Drake-Passage vier bis fünf Meter hoch. Bei ruhiger See, dem sogenannten Drake Lake, bleiben sie meist unter zweieinhalb Metern. Bei Sturm, dem Drake Shake, sind fünf bis zehn Meter keine Seltenheit, in schweren Stürmen erreichen die Wellen bis zu 15 Meter.

Wie lange fährt man durch die Drake-Passage?

Die Überfahrt von Ushuaia zur Antarktischen Halbinsel dauert in der Regel rund zwei Tage pro Richtung. Je nach Wetter und Seegang kann sie etwas kürzer oder länger ausfallen. Das Expeditionsteam nutzt die Seetage, um die Gäste auf Anlandungen, Zodiacfahrten und die Tierwelt der Antarktis vorzubereiten.

Warum heißt es Drake-Passage?

Die Passage ist nach dem englischen Freibeuter Sir Francis Drake benannt. Nachdem er 1578 die Magellanstraße durchquert hatte, trieben Stürme sein Schiff weit nach Süden. Vermutlich erreichte der spanische Seefahrer Francisco de Hoces das Seegebiet jedoch schon 1525. In spanischen Quellen heißt die Passage deshalb bis heute Mar de Hoces.

Wo liegt die Drake-Passage?

Die Drake-Passage liegt zwischen Kap Hoorn an der Südspitze Südamerikas und den Südlichen Shetlandinseln vor der Antarktischen Halbinsel. Sie verbindet Südatlantik und Südpazifik und ist an ihrer schmalsten Stelle gut 800 Kilometer breit. Das Meer ist dort durchschnittlich etwa 3.400 Meter tief, an den tiefsten Stellen rund 4.800 Meter.

Kann man die Drake-Passage umgehen?

Ja, mit einer Fly-Cruise. Ein Charterflug bringt die Gäste in etwa zwei Stunden von Punta Arenas in Chile nach King George Island auf den Südlichen Shetlandinseln, wo sie an Bord gehen. Die Reise wird dadurch kürzer, kostet aber meist mehr. Dafür entfallen die Seetage mit Vorträgen und den ersten Tierbeobachtungen an Bord.

Kann man in der Drake-Passage seekrank werden?

Ja, vor allem bei stärkerem Seegang kann die Drake-Passage auch erfahrenen Reisenden zu schaffen machen. Stabilisatoren dämpfen das seitliche Rollen, das Auf und Ab des Schiffs gleichen sie aber kaum aus. Wer empfindlich reagiert, sollte sich schon vor der Reise über geeignete vorbeugende Maßnahmen informieren.

Zuletzt geändert am: 01.11.2026

Portrait Robin Gamroth
Autor
Robin Gamroth

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