Island im Winter fotografieren
Island im Winter fotografieren
Wer Island im Winter fotografieren möchte, nimmt kurze Tage und das raue Wetter in Kauf, um die besten Bedingungen des Jahres zu nutzen, denn durch das weiche Licht der tiefstehenden Sonne werden die einzigartigen Landschaften der Insel noch kontrastreicher. Außerdem herrscht eine hohe Chance auf Nordlichter, da im Dezember das Tageslicht bis auf rund vier Stunden schrumpft, während das Zeitfenster für die Aurora Borealis von September bis April reicht. Für Landschaftsfotografen ist der isländische Winter deswegen keine Nebensaison, sondern das eigentliche Highlight des Jahres.
Allerdings muss man seine Erwartungen realistisch halten. Das Erscheinen von Nordlichter ist nie garantiert, die Eishöhlen des Vatnajökull-Gletscher sind nur saisonal zugänglich und das Hochland ist im Winter gesperrt.
Was den isländischen Winter fotografisch besonders macht
Der Sonnenstand im isländischen Winter sorgt für einen besonderen Lichtvorteil, denn die Sonne bleibt in dieser Jahreszeit flach über dem Horizont. Dadurch dehnt sich das warme Streiflicht über Stunden hinweg, statt in zwanzig Minuten verschwunden zu sein. Während im Juni fast 24 Stunden lang Helligkeit herrschen, schrumpft das Tageslicht im Dezember auf rund vier Stunden, doch diese Zeitspanne bietet durchgehend perfekte Bedingungen für die Landschaftsfotografie.
Diese einzigartigen Umstände bestimmen auch die Herangehensweise. Statt wie im Sommer hektisch zwischen zehn verschiedenen Spots zu hetzen, planen Fotografen den kurzen Wintertag fokussiert um zwei bis drei Hauptmotive herum. Eine geschlossene Schneedecke reduziert die Bildfläche auf klare Formen und Linien. So entfalten zugefrorene Wasserfälle, Eisbrocken am schwarzen Strand und der aufsteigende Dampf über den Geothermalfeldern in der kalten Luft eine fesselnde visuelle Dynamik. Ein weiterer Vorteil ist die geringere Besucherzahl an vielen der Sehenswürdigkeiten, was oft unberührte Vordergründe ohne Fußspuren möglich macht.
Eine Entscheidung für den Winter bringt aber auch Nachteile mit sich. Das gesamte Hochland bleibt gesperrt, viele Nebenstraßen sind unpassierbar und auf Motive wie Papageientaucher oder die Mitternachtssonne muss man verzichten. Andererseits bietet die ausgedehnte Nacht die Möglichkeit an einem Tag sozusagen “zwei Schichten” einzulegen, denn die lange Dunkelphase bedeutet, dass man nach den Aufnahmen in der Landschaft ausreichend Zeit für das Dokumentieren der Nordlichter und für Astrofotografie findet.
Nordlichter in Island fotografieren
Das als Nordlicht oder Aurora Borealis bekannte Phänomen entsteht, wenn elektrisch geladene Teilchen der Sonne auf die Erdatmosphäre und das Magentfeld treffen und dort Gasmoleküle zum Leuchten bringen. Diese Interaktion erzeugt die charakteristischen grünen, seltener auch roten Lichtbänder am Nachthimmel über höheren Breitengraden. Das Auftauchen von Nordlichtern hängt von der Sonnenaktivität und die Sichtbarkeit von der Wolkendecke ab. Beide Faktoren können nur kurzfristig vorhergesagt werden, weswegen Sichtungen unmöglich garantiert werden können. Für eine erfolgreiche Beobachtung müssen drei Bedingungen zeitgleich erfüllt sein: die ausreichende Sonnenaktivität, ein wolkenfreier Himmel und natürlich Dunkelheit. Ein Aufenthalt von mehreren Nächten erhöht die Chancen dabei deutlich.
Weil das Zusammentreffen dieser Variablen in einer einzelnen Nacht reines Glücksspiel ist, erhöht ein Aufenthalt von mehreren Nächten vor Ort die Erfolgswahrscheinlichkeit erheblich.
Die beste Zeit für Nordlichter in Island
Die beste Zeit für die Beobachtung von Polarlichtern in Island liegt in den Monaten von September bis April, da nur in diesem Zeitraum ausreichende Dunkelheit herrscht. Innerhalb dieser Saison bieten die Stunden zwischen 21:00 Uhr und 02:00 Uhr die höchste Aktivität. Für die Fotografie ist zudem der Mondstand relevant. Die Phase um einen Neumond garantiert dabei den dunkelsten Himmel, während ein heller Vollmond zwar schwache Polarlichter überstrahlt, aber die winterliche Landschaft als Vordergrund aufhellt. Neben den Jahreszeiten bestimmt der elfjährige Sonnenaktivitätszyklus die Intensität der Aurora, wobei während des solaren Maximums die Chancen besonders hoch sind.
Die besten Orte für Nordlichtfotos
Die besten Orte für Nordlichtaufnahmen zeichnen sich durch eine minimale Lichtverschmutzung und eine freie Sichtachse nach Norden aus. In der Bildgestaltung fungiert das Polarlicht meist lediglich als Hintergrund, weshalb der unbewegliche Vordergrund als eigentlicher Bildträger dienen sollte. Besonders geeignet sind dafür die Halbinsel Snæfellsnes mit ihren markanten Bergen sowie die isländische Südküste im Gebiet um die Gletscherlagune Jökulsárlón, wo Eisberge und das Wasser als Spiegelung genutzt werden können. Die Hauptstadt Reykjavík schränkt die Fotografie durch seine urbanen Lichtquellen stark ein und brauchbare Aufnahmen gelingen dort nur an exponierten, dunklen Punkten wie der Halbinsel Grótta am Stadtrand.
Vorhersage lesen und die Nacht planen
Eine präzise Planung basiert auf dem sogenannten Kp-Index, der die geomagnetische Aktivität auf einer Skala von 0 bis 9 misst, wobei für Island bereits ein Wert von Kp 2 für gut sichtbare Nordlichter ausreicht. Fotografen sollten am besten die Aurora-Vorhersage der isländischen Wetterbehörde (Vedur.is) nutzen und dort auch die Karte der Wolkendecke parallel zum Aktivitätsindex auswerten. Die Entscheidung für die Route fällt immer zugunsten der Gebiete mit den größten Wolkenlücken aus, unabhängig von der Fahrtrichtung. Da sich die Wolkenfenster schnell verschieben, ist es sinnvoll, einen ausreichenden Puffer einzuplanen. Und auch die Zeit, die zum Aufbau des Kamerasystems und des Stativs benötigt wird, sollte man im Blick haben, damit die Technik im richtigen Moment bereit ist. Am besten ist alles einsatzbereit, bevor die eigentliche Aktivität am Himmel einsetzt.
Die beste Reisezeit für Winterfotos in Island
Der März gilt als bester Reisemonat für Winterfotos in Island, da er mit rund elf Stunden Tageslicht ausreichend Zeit für die Landschaftsfotografie bietet und gleichzeitig noch in der aktiven Nordlichtsaison liegt. Wer hingegen die dunkelsten Monate wählt, maximiert zwar die Chancen auf Polarlichter, opfert jedoch kostbare Zeit für klassische Naturaufnahmen.
Die Temperaturen fallen durch den wärmenden Nordatlantikstrom milder aus, als es der arktische Breitengrad vermuten lässt. Die Durchschnittswerte bewegen sich meist knapp um den Gefrierpunkt. Ein Risikofaktor sind jedoch die Windgeschwindigkeiten, die gefühlte Temperaturen drastisch senken können und Straßen innerhalb von Minuten unpassierbar machen. Die Schneedecke ist im Spätwinter (Februar und März) im Flachland meist geschlossener als im November oder Dezember.
| Monat | Tageslicht | Durchschnittstemp. | Schneelage & Straßen | Chance auf Nordlichter |
| Nov | 5–6 Std. | 1 °C bis 4 °C | Erste Schneedecke, instabile Straßen | Sehr hoch |
| Dez | 4 Std. | -1 °C bis 2 °C | Häufig Schnee, oft Straßensperren | Maximal |
| Jan | 4–5 Std. | -2 °C bis 2 °C | Hohe Schneelage, eisige Nebenstraßen | Maximal |
| Feb | 7–8 Std. | -2 °C bis 1 °C | Geschlossener Schnee, raues Wetter | Sehr hoch |
| März | 11–12 Std. | -1 °C bis 2 °C | Stabile Schneelagen, bessere Straßen | Hoch |
Für die Reiseplanung ergibt sich daraus folgendes Bild: Der Frühwinter bietet minimale Tageslichtstunden und maximale Dunkelphasen. Für die optimale Kombination aus landschaftlichen Fotospots und nächtlicher Astrofotografie empfiehlt sich jedoch der spätere Teil der Saison.
Die stärksten Fotospots zwischen Reykjavík und Jökulsárlón
Die wichtigsten Fotospots Islands erstrecken sich entlang der Südküste an der Ringstraße. Die Strecke von Reykjavík bis zur Gletscherlagune Jökulsárlón ist bei winterlichen Straßenverhältnissen mit einer Fahrzeit von fünf bis sechs Stunden machbar. Für eine erfolgreiche Auswahl und Aufnahme der Motive im Winter müssen Routenplanung und Lichtverhältnisse gut aufeinander abgestimmt werden.
- Seljalandsfoss - Der 60 Meter hohe Wasserfall ist im Winter wegen komplett vereister Zugangswege nicht begehbar. Fotografieren Sie ihn stattdessen frontal mit einem Teleobjektiv aus der Distanz, um Gischt auf der Linse zu vermeiden.
- Skógafoss - Ebenfalls 60 Meter hoch, wirkt dieser Fall durch seinen winterlichen Eismantel besonders monumental. Nutzen Sie hier zur Mittagszeit Graufilter für Langzeitbelichtungen, um das stürzende Wasser weichzuzeichnen.
- Reynisfjara - Der schwarze Sandstrand bei Vík darf wegen lebensgefährlicher Wellen niemals direkt an der Wasserkante betreten werden. Nutzen Sie ein Teleobjektiv aus sicherem Abstand, um die Brandung vor den Basaltsäulen festzuhalten.
- Fjaðrárgljúfur - Die tiefe Schlucht ist im Winter oft nur über gesperrte oder vereiste Parkplätze erreichbar, belohnt aber bei diffusem Mittagslicht mit dramatischen Linienstrukturen.
- Jökulsárlón & Diamond Beach - Planen Sie für diese direkt nebeneinander liegenden Spots das letzte Tageslicht ein. Nutzen Sie am Strand kurze Verschlusszeiten, um das spülende Wasser um die gestrandeten Eisbänke aufzunehmen, während an der Lagune Weitwinkelaufnahmen die Weite der treibenden Eisberge betonen.
- Kirkjufell - Als Abweichung von der Hauptroute auf der Halbinsel Snæfellsnes im Westen verlangt der ikonische Berg ein Ultraweitwinkel, um den gefrorenen Wasserfall im Vordergrund und das Bergmassiv gemeinsam abzubilden.
- Þingvelli - Der Nationalpark liegt östlich von Reykjavík und verlangt am frühen Vormittag ein Weitwinkelobjektiv, um die Kontraste der tiefstehenden Sonne in den verschneiten Kontinentalspalten einzufangen.
Da das winterliche Wetter unvorhersehbar ist, gilt als goldene Regel, dass man das Gletschereis an den Lagunen niemals ohne zertifizierten Guide betritt und man zwischen den Hauptspots stets die doppelten Fahrzeiten einplant.
Ausrüstung und Technik, die im isländischen Winter zählen
Für das Fotografieren der Nordlichter in der arktischen Kälte gibt es klare technische Parameter. Das Kamerasystem sollte ein lichtstarkes Weitwinkelobjektiv mit einer offenen Blende von mindestens f/2.8 oder besser f/1.4 haben, um ausreichend Restlicht auf den Sensor zu leiten. Die ISO-Werte bewegen sich typischerweise in einem Korridor von 1600 bis 6400, während die Aufnahmen im verlustfreien RAW-Format gespeichert werden sollten. Der manuelle Fokus auf Unendlich wird am besten noch bei Tageslicht vorbereitet und fixiert. Die Wahl der exakten Belichtungszeit hängt von der Bewegungsgeschwindigkeit der Aurora Borealis ab. Bei ruhigen Bewegungen sind Belichtungszeiten von 5 bis 10 Sekunden ideal, während ein stark pulsierendes Nordlicht kurze Zeiten von 1 bis 3 Sekunden erzwingt, damit die feinen Strukturen nicht zu einem unschönen, grünen Schleier verwischen.
Das Stativ zeigt sich dabei als das entscheidende Teil des Equipments, da leichte Reisestative in den extremen isländischen Windgeschwindigkeiten regelmäßig scheitern. Ein Fernauslöser oder der kamerainterne Selbstauslöser verhindern darüber hinaus Verwacklungen bei der Auslösung im kritischen Moment. Zudem verringert die arktische Kälte die chemische Akkuleistung drastisch, weshalb Fotografen mehrere Ersatzakkus, am besten in den inneren Kleidungsschichten körperwarm mitführen sollten. Nach dem Außeneinsatz schützt das langsame Akklimatisieren der Kamera in der verschlossenen Fototasche vor schädlicher Kondensation im Gehäuseinneren.
An der stürmischen Südküste fordern aggressive Gischt und die salzhaltige Luft permanenten Schutz und die regelmäßige Reinigung der Frontlinse mit Mikrofasertüchern. Ein textiles Zweilagensystem aus dünnen Touchscreen-Handschuhen unter dicken Fäustlingen sichert die präzise Bedienbarkeit der Kamerarädchen im Feld. Für landschaftliche Motive komplettieren optische Filter das Setup. Während Graufilter an den winterlichen Wasserfällen Langzeitbelichtungen ermöglichen, bleibt der Nutzen von Polfiltern aufgrund des dauerhaft flachen Sonnenstandes im Winter stark eingeschränkt.
Island im Winter mit einer geführten Fotoreise
Eine organisierte Fotoreise unterscheidet sich grundlegend von einer klassischen Island-Rundreise. Der gesamte Tagesplan folgt konsequent den besten Lichtverhältnissen und weniger einer starren Streckenlogik. Die Aufenthalte an den einzelnen Fotospots sind deutlich großzügiger bemessen, die Aufbruchzeiten liegen vor dem Sonnenaufgang und die Abende bleiben für das Einfangen von Nordlichtern reserviert.
Zudem ist das Reisen in einer harmonischen Kleingruppe an anspruchsvollen, engen Locations wie einer Eishöhle eher eine Notwendigkeit und kein reines Komfortmerkmal. Die geringe Gruppengröße stellt sicher, dass jeder Teilnehmer ausreichend Zeit und Raum für saubere, ungestörte Bildkompositionen ohne andere Personen im Bildausschnitt erhält.
Ein erfahrener Fotocoach übernimmt dabei die Begleitung, unterstützt aktiv bei der Motivwahl, optimiert die Kameraeinstellungen vor Ort und leitet die gemeinsame Bildbesprechung am Abend.
Als inhabergeführtes Familienunternehmen konzipiert IKARUS TOURS seit 1970 exklusive Reisen und Expeditionen weltweit. Das Unternehmen blickt dabei auf über 55 Jahre Expertise in rund 130 Ländern zurück. Vor Ort greift es auf ein bewährtes Netzwerk aus lokal ansässigen, deutschsprachigen Reiseleitungen zu.
Häufige Fragen zum Fotografieren in Island im Winter
Wann ist die beste Zeit für Nordlichter in Island?
Die Nordlichtsaison reicht von September bis April. Die besten Chancen auf das Auftauchen der Aurora Borealis liegen in den dunkelsten Monaten von Dezember bis Februar. Wichtig sind lange Dunkelheit, klarer Himmel und ausreichende Sonnenaktivität. Planen Sie mehrere Nächte ein, eine einzelne Nacht wäre Glückssache.
Wo befinden sich die besten Orte in Island, um Nordlichter zu fotografieren?
Überall dort, wo künstliches Licht fehlt und der Blick nach Norden frei ist. Bewährt sind die Südküste, die Umgebung von Jökulsárlón und die Halbinsel Snæfellsnes. Entscheidend ist ein starker Vordergrund im Bild.
Kann man die Nordlichter in Reykjavík sehen?
Grundsätzlich ja, bei starker Aktivität auch direkt in der Stadt. Für Fotos lohnt sich die Fahrt hinaus trotzdem, weil die Straßenbeleuchtung Kontrast und Farbe kostet. Schon zwanzig bis dreißig Minuten Abstand zur Stadt verbessern das Ergebnis deutlich.
Wie zuverlässig ist die Nordlicht-Vorhersage?
Belastbare Vorhersagen gelten nur etwa 24 bis 48 Stunden im Voraus, weil sie unter anderem von der Sonnenaktivität abhängen. Lesen Sie die Aurora-Vorhersage und Wolkenkarte immer gemeinsam, ein hoher Aktivitätswert bringt bei geschlossener Wolkendecke nichts.
Wie kalt ist es in Island im Winter?
Milder als der Breitengrad vermuten lässt. Im Süden liegen die Temperaturen im Winter meist um den Gefrierpunkt. Der eigentliche Faktor ist der Wind, der die empfundene Temperatur stark senkt und beim Fotografieren auf die Stabilität einwirken kann.
Kann man Eishöhlen in Island das ganze Jahr besuchen?
Nein. Natürliche Gletschereishöhlen sind nur im Winterhalbjahr zugänglich, weil Schmelzwasser sie im Sommer flutet und instabil macht. Der Zugang ist ausschließlich mit zertifiziertem Guide erlaubt, weil die Stabilität täglich neu beurteilt werden muss.
Kann man Nordlichter mit dem Handy fotografieren?
Ja, aktuelle Smartphones schaffen brauchbare Aufnahmen im Nachtmodus. Sie brauchen dafür eine feste Auflage oder ein kleines Stativ, weil Belichtungszeiten von mehreren Sekunden nötig sind. Für Vergrößerungen und Bildbearbeitung bleibt eine Kamera mit RAW-Aufnahme deutlich überlegen.
Welche Ausrüstung brauche ich für Island im Winter mindestens?
Ein windstabiles Stativ, ein lichtstarkes Weitwinkelobjektiv, mehrere Ersatzakkus, körperwarm getragen und Handschuhe, mit denen Sie die Kamera bedienen können. Alles andere ist Komfort, doch ohne diese vier Dinge verlieren Sie Motive.
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