Südgeorgien: Der stille Star der Antarktis

Südgeorgien: Der stille Star einer Antarktisreise

Geografisch gehört Südgeorgien nicht zur Antarktis. Die subantarktische Insel liegt im Südatlantik und bildet mit den Südlichen Sandwichinseln ein britisches Überseegebiet. Sie besitzt keinen Flughafen und keine touristischen Unterkünfte. Besucher erreichen sie ausschließlich per Schiff und kehren nach jedem Landgang an Bord zurück.

In unserem aktuellen Programm ist Südgeorgien Teil verschiedener Polar-Seereisen. Einige Routen verbinden die Insel mit den Falklandinseln, andere führen anschließend weiter zur antarktischen Halbinsel. Für Südgeorgien müssen mehrere zusätzliche Seetage eingeplant werden. Es ist daher kein kurzer Abstecher, sondern ein eigener Schwerpunkt der Reise.

Der Aufwand lohnt sich vor allem für Gäste, deren Interesse der Tierbeobachtung gilt. Große Kolonien sind hier nicht nur aus der Entfernung sichtbar. Sie machen ganze Küstenabschnitte aus. Hinzu kommt die Geschichte von Ernest Shackleton, die sich an mehreren Orten der Insel konkret nachvollziehen lässt.

Ein verborgenes Paradies

Eine Gebirgskette durchzieht fast die gesamte Hauptinsel. Viele Gletscher reichen bis nahe an geschützte Buchten heran. Dazwischen bleiben nur schmale Küstenstreifen, auf denen sich ein großer Teil des Tierlebens konzentriert. Das Wetter kann schnell wechseln und entscheidet darüber, welche Seite der Insel für eine Anlandung geeignet ist.

Besonders bekannt ist Südgeorgien für seine Königspinguine. Sie sind nach den Kaiserpinguinen die zweitgrößte Pinguinart. An Orten wie St. Andrews Bay oder Salisbury Plain stehen Tiere in einer Dichte, die sich vorab kaum vorstellen lässt. Südgeorgien beherbergt außerdem eine der weltweit bedeutendsten Populationen Südlicher Seeelefanten.

So ursprünglich die Insel heute erscheint, ihre Natur trägt deutliche Spuren menschlicher Eingriffe. Der Walfang prägte Südgeorgien über Jahrzehnte. Eingeschleppte Tierarten belasteten das Ökosystem zusätzlich. Umso bemerkenswerter ist die ökologische Erholung, die inzwischen an vielen Stellen sichtbar wird.

Der Schutz bleibt streng. Vor den Landgängen werden Kleidung und Taschen kontrolliert und Schuhe müssen sorgfältig gereinigt werden. Alle Besucher benötigen eine Genehmigung und werden vor ihrer Ankunft mit den geltenden Regeln vertraut gemacht.

Wie eine Expeditions-Seereise nach Südgeorgien abläuft

Eine Südgeorgien-Kreuzfahrt ist keine klassische Kreuzfahrt, sondern eine echte Expeditions-Seereise an Bord eines kleinen, eisverstärkten Schiffes. Die Route startet meist im argentinischen Ushuaia, dem “Tor zur Antarktis”, führt über zwei bis drei Seetage zu den Falklandinseln und nach zwei weiteren Tagen auf See in das Inselgebiet von Südgeorgien, bevor es danach weiter zur Antarktischen Halbinsel geht.

Die vergleichsweise kleine Größe der eisverstärkten Expeditionsschiffe erweist sich dabei als in jeder Hinsicht vorteilhaft, denn Anlandungen arbeiten mit Besucherobergrenzen. Je kleiner das Schiff ist, desto mehr wertvolle Zeit bleibt jedem einzelnen Gast an Land. Deswegen kooperiert IKARUS TOURS bewusst mit Partnern, deren Schiffe maximal 115 Gäste befördern.

Die Anlandungen selbst erfolgen mit Zodiac-Schlauchbooten. Vor dem Einstieg sind wasserfeste Hosen, Rettungswesten und spezielle Gummistiefel zwingend erforderlich, denn es folgt eine „nasse Anlandung“ direkt im knietiefen Wasser.

Zur Realität gehört jedoch, dass kein Anlandeplatz garantiert werden kann. Das raue, wechselhafte subantarktische Wetter zwingt das Expeditionsteam oft dazu, Pläne kurzfristig zu ändern. Ein Reiseverlauf in diesen Breiten ist niemals ein starrer Fahrplan, sondern ein flexibles Abenteuer, das nur im Einklang mit der Natur gelingen kann.

Auch der nächste Punkt der Reise nach dem Besuch von Südgeorgien, die Seetage auf der berüchtigten Drake-Passage, fordern von den Reisenden Geduld und Seefestigkeit. Starker Wellengang auf rauem Meer ist im Südatlantik die Norm.

Doch die Zeit an Bord mit der deutschsprachigen Reisebegleitung wird immer genutzt. Das Programm besteht aus Vorträgen des Expeditionsteams über Artenbestimmung und auch die Fotoberatung bereitet die Gäste perfekt auf die Naturwunder und Erlebnisse vor.

Königspinguine, See-Elefanten und Pelzrobben, die Tierwelt Südgeorgiens

Der Hauptgrund für eine Reise nach Südgeorgien ist die überwältigende Tierwelt. Während andere Reiseziele mit landschaftlichen Vorzügen werben, überzeugt Südgeorgien durch ein Ökosystem, das die weltweit höchste Konzentration an Seevögeln und Meeressäugern aufweist. Hier wird das Leben und das Zusammenspiel verschiedener Artengruppen hautnah erlebbar.

Die unumstrittene Herrscher über die Tierbeobachtungen vor Ort ist der Königspinguin. Weil sich die exakte Anzahl der Vögel in den riesigen Brutkolonien kaum punktgenau erfassen lässt, arbeiten Biologen heute mit Luftaufnahmen und Satellitenbildern. Die Ergebnisse zeigen eine beispiellose Erholungsgeschichte der Bestände: Während Forscher im Internationalen Polarjahr 1882/83 in der St. Andrews Bay lediglich rund 1.100 Brutpaare dokumentierten, gehen aktuelle wissenschaftliche Schätzungen von bis zu 250.000 Brutpaaren aus.

Neben den Königspinguinen beheimatet die Insel weitere Pinguinarten wie die Goldschopfpinguine, die bevorzugt in steilen, schwer zugänglichen Küstenabschnitten nisten und sich am besten während einer Zodiac-Fahrt in der Cooper Bay beobachten lassen. In unmittelbarer Nachbarschaft zu den großen Kolonien leben zudem Gruppen von Eselspinguinen, die ihren Namen bekommen haben, da ihre Rufe an ein I-Ah von Eseln erinnern.

An den Stränden teilen sich die Vögel den Platz mit Südlichen See-Elefanten, deren Bullen während der Wurfzeit im Frühjahr bis zu vier Tonnen schwer werden, und Antarktischen Pelzrobben, die während ihrer Paarungszeit ein ausgeprägtes territoriales Verhalten zeigen. Die Pelzrobben wurden im 19. Jahrhundert durch den Pelzhandel fast vollständig ausgerottet, heute leben erfreulicherweise aber wieder mehrere Millionen Tiere auf der Insel.

Über den nährstoffreichen Gewässern kreisen Sturmvögel und Albatrosse, darunter der Wanderalbatros, der die größte Flügelspannweite aller lebenden Vögel besitzt. Zudem fressen sich in den marinen Konvergenzzonen immer mehr Wale satt, deren Bestände sich seit dem Ende des kommerziellen Walfangs ebenfalls deutlich erholen.

Aktivitäten und Erlebnisse in Südgeorgien

Ein Reisetag beginnt meist mit einer Zodiacfahrt zu einer geeigneten Anlandungsstelle. Ob das Boot tatsächlich an den Strand fahren kann, hängt von Wind und Brandung ab. Gerade bekannte Orte wie St. Andrews Bay sind nicht jederzeit erreichbar. Flexibilität gehört deshalb auch hier zum Reiseverlauf.

An Land weist das Expeditionsteam sichere Bereiche in der Nähe der Kolonien aus, ohne die Tiere zu bedrängen. Für das Aussteigen aus dem Zodiac und das Gehen auf nassem Untergrund ist eine sichere Beweglichkeit erforderlich. Klassische Wanderwege mit fester Infrastruktur gibt es nicht.

Einen anderen Schwerpunkt setzt Grytviken. Die Reste der früheren Walfangstation zeigen, wie stark Südgeorgien einst wirtschaftlich genutzt wurde. Im South Georgia Museum lässt sich diese Geschichte vertiefen.

Einschätzung unserer Polarspezialistin

Für viele Reisende stellt sich die Frage, ob Südgeorgien die zusätzlichen Seetage gegenüber einer kürzeren Antarktisroute rechtfertigt. Zahlen zu Koloniegrößen beantworten das nur teilweise.

(Kerstin Zitat)

Die beste Reisezeit für Südgeorgien

Die Reisezeit für eine Südgeorgien-Reise beschränkt sich auf das Zeitfenster des antarktischen Südsommers von November bis März. Der genaue Zeitpunkt für die Reise hängt davon ab, welche Ziele Ihr Interesse geweckt haben, denn im Verlauf des Sommers wandelt sich das Gesicht der Insel dramatisch.

Im Frühsommer von Oktober bis November sind die Strände noch tief verschneit und bieten so spektakuläre Fotokulissen. Es ist die Wurfzeit der See-Elefanten, bei der die gewaltigen Bullen in blutigen Revierkämpfen die Strände dominieren.

Im Hochsommer von Dezember bis Januar schmilzt der Schnee bei bis zu 20 Stunden Tageslicht rasant. Das saftige Tussockgras steht in voller Blüte, während Millionen neugeborener Pelzrobben-Welpen das Bild bestimmen. Die Pelzrobben-Männchen verteidigen aggressiv ihre Reviere an den schmaler werdenden Strandabschnitten.

Der Spätsommer von Februar bis März bietet sich besonders für Walsichtungen an, wenn Buckel-, Finn- und Blauwale auf Nahrungssuche dicht an die Küsten herankommen.

Königspinguin-Küken in ihren braunen Federkleidern sowie erwachsene Tiere lassen sich aufgrund ihres extrem langen Brutzyklus derweil über die gesamte Saison hinweg in ihren riesigen Kolonien beobachten.

Zur Realität einer Südgeorgienreise gehört allerdings, dass das Wetter immer für Überraschungen gut ist. Windstärken im Orkanbereich, eisige Regenschauer und plötzliche Schneefälle sind praktisch auf jeder Expedition zu erwarten. Die Temperaturen an den Küsten bleiben dank des Klimas mit Werten zwischen 0 und 10 Grad jedoch milder als auf dem antarktischen Kontinent selbst.

Südgeorgien als Teil einer Antarktisreise

Zwei Südgeorgien-Reisen aus unserem aktuellen Programm zeigen, wie unterschiedlich die Insel eingebunden werden kann. Bei der Reise mit der MS SEA SPIRIT stehen die beiden Inselgebiete im Mittelpunkt. Die Route beginnt mit der Einschiffung in Ushuaia und führt nach Südgeorgien wieder dorthin zurück. Die antarktische Halbinsel ist bei dieser Variante nicht eingeschlossen.

Die Reise mit der MS PLANCIUS verbindet dagegen die Falklandinseln und Südgeorgien mit der antarktischen Halbinsel. Dadurch wird aus der intensiven Inselreise eine umfassende Route durch den Südatlantik. Sie verlangt mehr Zeit, bietet dafür aber den direkten Vergleich zwischen subantarktischer Tierwelt und dem antarktischen Kontinent.

Bei beiden Varianten verstehen sich die vorgesehenen Anlandungen als Planungen. Wind und Dünung können kurzfristige Änderungen notwendig machen. Wir setzen deshalb auf erfahrene Expeditionsteams und Schiffe mit überschaubarer Gästezahl.

Für die Auswahl zählt, welche Erwartung die Reise erfüllen soll. Wer vor allem große Tierkolonien und die Geschichte Shackletons sucht, kann Südgeorgien bewusst zum Hauptziel machen. Wer zusätzlich auf dem antarktischen Kontinent anlanden möchte, benötigt die längere Kombination. Südgeorgien ist in beiden Fällen keine Zwischenstation, sondern einer der inhaltlichen Höhepunkte der gesamten Seereise.

Zuletzt geändert am: 15.10.2026

Portrait Robin Gamroth
Autor
Robin Gamroth

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