Seekrankheit, was wirklich hilft und was nur ein Mythos ist

Seekrankheit, was wirklich hilft und was nur ein Mythos ist

Die Bewegungen eines Schiffes nehmen Augen, Innenohr und Muskeln unterschiedlich wahr. Genau diese widersprüchlichen Signale lösen Seekrankheit aus. Medizinisch betrachtet ist sie keine Krankheit im eigentlichen Sinn, sondern eine normale Reaktion des Körpers auf widersprüchliche Sinneseindrücke. Auch erfahrene Seeleute oder Kreuzfahrtgäste sind nicht davor gefeit. Die Beschwerden können ganz unterschiedlich ausgeprägt sein. Sie reichen von leichtem Unwohlsein bis zu Übelkeit und Erbrechen.

In diesem Artikel erfahren Sie, wie Seekrankheit entsteht, was vorbeugend hilft und worauf Sie auf Expeditionsrouten achten sollten.

Wie Seekrankheit entsteht

Medizinisch zählt Seekrankheit zu den Kinetosen, den Bewegungskrankheiten, zu denen auch Reise- und Luftkrankheit gehören. Ausgelöst wird sie durch widersprüchliche Sinneseindrücke. Im Kabineninneren sehen die Augen scheinbaren Stillstand, während das Gleichgewichtsorgan im Innenohr jede Bewegung des Schiffs registriert. Fachleute nennen diesen Widerspruch Sensory Mismatch. Das Gehirn kann die Signale nicht zu einem stimmigen Bild zusammenfügen, und der Körper reagiert mit den typischen Beschwerden. Als möglicher Faktor gilt dabei auch Histamin, dessen genaue Rolle noch erforscht wird.

Zu den häufigsten Symptomen gehören Kopfschmerzen und Schwindel. Vermehrter Speichelfluss und Übelkeit treten ebenfalls häufig auf, in manchen Fällen kommt auch Erbrechen hinzu. Die Beschwerden setzen oft schleichend ein und nehmen mit stärkerem Seegang zu.

Wie stark die Beschwerden ausfallen, ist von Mensch zu Mensch verschieden. Wer bereits im Auto, Bus oder Flugzeug zu Reisekrankheit neigt, reagiert häufig auch auf See empfindlicher. Schlafmangel, Stress oder die Sorge vor der Seekrankheit können die Beschwerden zusätzlich verstärken. Studien zeigen zudem, dass Frauen häufiger und stärker von Seekrankheit betroffen sind als Männer. 

Die Anfälligkeit verändert sich außerdem mit dem Alter. Kinder unter zwei Jahren sind kaum betroffen, weil ihr Gleichgewichtsorgan noch nicht vollständig entwickelt ist. Am empfindlichsten reagieren Kinder zwischen drei und zwölf Jahren. Mit zunehmendem Alter nimmt die Anfälligkeit meist wieder ab.

Was gegen Seekrankheit hilft

Seekrankheit lässt sich nicht immer vermeiden. Mit der richtigen Vorbereitung sinkt das Risiko jedoch deutlich. Die meisten Maßnahmen zielen darauf ab, die widersprüchlichen Sinneseindrücke von Augen und Innenohr möglichst gering zu halten.

Schon bei der Buchung lohnt sich ein Blick auf die Lage der Kabine. Auf den unteren Decks und mittschiffs sind die Bewegungen des Schiffs meist am schwächsten. Dieser Bereich liegt nahe am Drehpunkt. Dort rollt und stampft das Schiff weniger stark als am Bug oder Heck.

An Bord helfen ein paar einfache Maßnahmen. Wer den Blick auf den Horizont richtet, hilft dem Gehirn dabei, die Signale von Augen und Innenohr besser miteinander abzugleichen. Lesen oder längeres Arbeiten am Bildschirm verstärken den Widerspruch dagegen häufig. Deshalb lohnt es sich, möglichst viel Zeit an Deck zu verbringen, wo der Blick automatisch nach draußen geht und frische Luft vielen Reisenden zusätzlich guttut. Leichte und nicht zu fettige Mahlzeiten werden meist besser vertragen. Ein leerer Magen ist dabei ebenso ungünstig wie ein üppiges Essen. Mehrere kleine Portionen über den Tag verteilt sind oft die bessere Wahl.

Wenn Sie wissen, dass Sie zu Seekrankheit neigen, können Sie schon vor der Reise einiges tun. Ausreichend Schlaf und der Verzicht auf Alkohol in den Tagen vor Reisebeginn können die Anfälligkeit senken. Außerdem kommen in Apotheken erhältliche Präparate gegen Reisekrankheit infrage, etwa Tabletten, Pflaster oder Kaugummis. Welche Lösung für Sie geeignet ist, besprechen Sie am besten mit einer Apotheke oder einem Arzt.

Was oft empfohlen wird und was davon belegt ist

Ingwer wird häufig als natürliches Mittel gegen Übelkeit empfohlen. Bei Schwangerschaftsübelkeit ist die Studienlage vergleichsweise gut, bei Reise- und Seekrankheit fallen die Ergebnisse dagegen uneinheitlich aus. Ein gesicherter Nutzen lässt sich daraus bislang nicht ableiten.

Ähnlich verhält es sich mit Akupressurbändern. Die Studien widersprechen sich, und in mehreren Untersuchungen wirkten Bänder ohne echten Druckpunkt genauso gut wie die originalen. Wer sie als hilfreich empfindet, kann sie tragen, allein darauf verlassen sollte man sich nicht.

Anders sieht es bei Alkohol aus. Er beeinträchtigt vorübergehend das Gleichgewichtsorgan im Innenohr und kann dadurch genau die widersprüchlichen Signale verstärken, die Seekrankheit auslösen. Zur Vorbeugung oder Linderung eignet er sich deshalb nicht.

Was bei akuter Seekrankheit hilft

Treten trotz aller Vorsichtsmaßnahmen Beschwerden auf, hilft es vielen Reisenden zunächst, an Deck oder an ein Fenster mit Blick auf den Horizont zu gehen. So erhalten Augen und Innenohr wieder ähnliche Informationen über die Bewegung des Schiffs. Wer kann, sollte sich außerdem hinlegen und den Kopf ruhig halten. Auch ein kurzes Nickerchen bringt vielen Betroffenen spürbare Besserung. Zusätzlich empfiehlt sich eine möglichst ruhige Umgebung. Enge, warme Räume oder intensive Gerüche verstärken die Übelkeit oft. In der Regel klingen die Symptome nach ein bis zwei Tagen ab, sobald sich der Körper an die Bewegung gewöhnt hat.

Halten die Beschwerden länger an oder verschlimmern sie sich deutlich, sollte der Bordarzt informiert werden. Auf Expeditionsschiffen stehen medizinisch geschultes Personal und eine Krankenstation zur Verfügung. Dort lässt sich beurteilen, ob Medikamente gegen Reisekrankheit sinnvoll sind oder andere Ursachen dahinterstecken. Besonders bei starkem Erbrechen ist eine ärztliche Abklärung ratsam, damit Flüssigkeitsverlust und Kreislaufprobleme rechtzeitig behandelt werden können.

Seekrankheit auf Expeditionsreisen

Expeditionsreisen führen häufig durch Seegebiete, in denen Wind und Wellengang stärker ausfallen als etwa im Mittelmeer. Typische Beispiele dafür sind die Drake-Passage zwischen Südamerika und der Antarktis sowie der Nordatlantik auf dem Weg nach Island oder Spitzbergen. Wie ruhig oder rau eine Überfahrt tatsächlich verläuft, hängt jedoch vor allem vom Wetter ab und nicht allein von der Route.

Auf genau diese Bedingungen sind Expeditionsschiffe ausgelegt. Sie verfügen über Stabilisatoren, die das seitliche Rollen dämpfen. Gegen das Stampfen von Bug und Heck helfen sie jedoch nur eingeschränkt, ganz vermeiden lässt sich die Bewegung also nicht.

Wenn Sie zu Reisekrankheit neigen, lohnt es sich, frühzeitig eine Kabine mittschiffs zu buchen. Geeignete Hilfsmittel lassen sich vor Reiseantritt mit einer Apotheke abstimmen. Das medizinische Personal an Bord ist zudem auf das jeweilige Fahrtgebiet eingestellt.

Wie die Überfahrt durch die Drake-Passage typischerweise verläuft und welche Bedingungen dort zu erwarten sind, erklärt der Beitrag zur Drake-Passage.

Häufige Fragen zur Seekrankheit

Was hilft am besten bei Seekrankheit?

Am wirksamsten ist die Kombination mehrerer Maßnahmen. Eine Kabine mittschiffs auf einem unteren Deck, frische Luft, der Blick zum Horizont und leichte Mahlzeiten wirken bei den meisten Betroffenen vorbeugend. Wer zu Reisekrankheit neigt, bespricht rezeptfreie Präparate vor der Reise mit der Apotheke. Keine einzelne Maßnahme schützt zuverlässig vor Seekrankheit, gemeinsam sind sie jedoch meist deutlich wirksamer. Bei anhaltenden Beschwerden berät der Bordarzt.

Wie lange dauert eine Seekrankheit an?

In den meisten Fällen klingen die Symptome nach ein bis zwei Tagen ab, sobald sich der Körper an die Bewegung gewöhnt hat. Bei ruhiger See lässt das Unwohlsein oft schon nach wenigen Stunden nach. Wer sich in dieser Phase hinlegt oder schläft, übersteht sie meist leichter. Halten die Beschwerden deutlich länger an, sollte der Bordarzt hinzugezogen werden.

Welche Symptome hat man, wenn man seekrank ist?

Erste Anzeichen sind häufig Schwindel und vermehrter Speichelfluss, später kommen Kopfschmerzen und Übelkeit hinzu. In ausgeprägten Fällen folgt Erbrechen. Die Beschwerden beginnen meist schleichend und können mit zunehmendem Seegang stärker werden. Wie stark sie ausfallen, ist von Mensch zu Mensch verschieden.

Was ist der Grund für Seekrankheit?

Seekrankheit entsteht durch widersprüchliche Sinneseindrücke. Das Gleichgewichtsorgan im Innenohr registriert die Bewegung des Schiffs, während die Augen im Kabineninneren scheinbaren Stillstand sehen. Fachleute nennen diesen Widerspruch Sensory Mismatch. Das Gehirn kann die Signale nicht zu einem stimmigen Bild zusammenfügen, der Körper reagiert mit Übelkeit. Derselbe Mechanismus steckt auch hinter Reise- und Luftkrankheit.

Wird jeder auf See seekrank?

Grundsätzlich kann jeder seekrank werden. Vollständig unempfindlich gegenüber starken Bewegungsreizen sind nur wenige Menschen. Ob und wie häufig Beschwerden auftreten, hängt jedoch vor allem vom Seegang ab. Studien auf Kreuzfahrtschiffen kommen je nach Bedingungen auf Werte zwischen 3 und 60 Prozent.

Ist Seekrankheit auf Expeditionsschiffen wahrscheinlicher?

Auf Routen mit stärkerem Seegang wie der Drake-Passage oder im Nordatlantik ist Seekrankheit wahrscheinlicher als etwa im Mittelmeer. Die Stärke des Seegangs kann je nach Wetter und Jahreszeit deutlich unterschiedlich ausfallen. Expeditionsschiffe verfügen jedoch über Stabilisatoren, die das seitliche Rollen dämpfen. Ganz vermeiden lässt sich die Bewegung des Schiffs dadurch nicht. Wer zu Reisekrankheit neigt, sollte frühzeitig eine Kabine mittschiffs buchen.

Hilft Ingwer gegen Seekrankheit?

Bei Reise- und Seekrankheit fallen die Studienergebnisse zu Ingwer uneinheitlich aus, ein gesicherter Nutzen lässt sich bislang nicht ableiten. Besser belegt ist die Wirkung bei Schwangerschaftsübelkeit. Wer Ingwer als hilfreich empfindet, kann ihn verwenden, sollte sich aber nicht allein darauf verlassen.

Zuletzt geändert am: 08.11.2026

Portrait Robin Gamroth
Autor
Robin Gamroth

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